Lehrreich und unterhaltsam zugleich – „Eine Billion Dollar“

eine_billion_dollarJohn Fontanelli ist ein armer Schlucker in New York. Sohn eines Schuhmachers und aktuell Pizza-Ausfahrer der mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Und plötzlich eröffnen ihm drei Anwälte aus Florenz in Italien, dass er der Erbe eines fantastischen Vermögens ist. Eine Billion Dollar soll er geerbt haben. Ein Vorfahre hatte im Florenz des 16. Jahrhunderts einen Betrag hinterlassen der für 500 Jahre mit Zins uns Zinseszins vermehrt werden sollte um dann, nach Ablauf dieser 500 Jahre „der Menschheit ihre verlorene Zukunft zurück zu geben“. Nur was macht man mit so viel Geld? Und wie gibt man der Menschheit die verlorene Zukunft zurück? Vor diesem und vielen weiteren Problemen steht John Fontanelli von einem Tag auf den anderen.

Andreas Eschbach hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Experte für „Was wäre wenn“-Szenarien entwickelt. In diesem Fall geht es eben um die Frage wie man mit so einem unfassbaren Erbe umgehen könnte. Vor diesem Hintergrund aber befasst sich das Buch mit ganz anderen Fragen. Zum Beispiel woran unser Wirtschaftssystem eigentlich krankt und was man tun könnte um die Lage zu verbessern. Es geht also um nicht viel weniger als die oben erwähnte Zukunft der Menschheit und dazu hat Eschbach eine ganze Menge interessanter Dinge zu sagen. Wie bereits in anderen Bücher des Autors wird man hier nicht nur unterhalten sondern kann sogar noch einiges lernen und Denkanstöße mitnehmen. Steuern nicht mehr auf Leistung/Arbeit sondern auf Rohstoffverbrauch? Wie gründet man eine Bank? Oder wer zahlt eigentlich die Zinsen wirklich wenn man sein Geld „arbeiten“ lässt?

Das alles ist hochinteressant und man will dringend wissen wie es weiter geht. Leider ist es auch manchmal sehr zäh und nicht immer spannend. Eschbach muss unglaublich und ich meine wirklich unglaublich viel recherchiert haben. Es ist unfassbar was in diesem Buch an Fachwissen steckt und ich mag mir gar nicht vorstellen wie lang es gedauert hat das alles zu prüfen und gegen zu prüfen. Leider bleiben vor dem allem aber die Figuren etwas blass. John Fontanelli ist wahrlich kein Held. Das muss er auch nicht. Aber er bleibt insgesamt einfach recht schemenhaft und mit ihm auch der Rest der Figuren. Das ist mein Kritikpunkt an diesem sonst lesenswerten Buch.

Interessant ist noch zu erwähnen, dass das Buch bereits 2001 erschienen ist und spielt in den Jahren vor der Jahrtausendwende. Eschbach lässt sehr geschickt viele Ereignisse dieser Jahre in seine Geschichte einfließen. Aber es spielt in einer Welt vor 9/11 und damit natürlich auch einige Jahre vor Lehman Brothers und der Finanzkrise in der wir quasi seit 2008 leben. An manchen Stellen habe ich mich schon gefragt „Wie hätte das die Geschichte verändert?“. Aber auch wenn die Veränderungen seitdem in dem Buch naturgemäß keine Rolle spielen bleibt die Geschichte und das „Was wäre wenn“ topaktuell. Denn so viel hat sich dann doch nicht geändert in unserer Welt.

Interpretiert wird das Buch hier von Volker Niederfahrenhorst. Ein Sprecher den ich bis dato nicht kannte und über den ich im Netz auch nicht viel finden konnte. Er hat wohl bisher einige Terry Pratchett-Bände gelesen. Ich muss sagen, mir hat sein Stil sehr gut gefallen. Tempo und Betonung, alles sehr stimmig. Gerne mal wieder.

“Eine Billion Dollar”, Autor: Andreas Eschbach, Sprecher: Volker Niederfahrenhorst, Audible, 1720 Minuten

Ein Lieblingsbuch – „Gut gegen Nordwind“

Ich glaube nicht, dass ich schon einmal ein Buch zum zweiten Mal gelesen habe. Bei Hörbüchern ist es ein wenig anders. Da gibt es ein paar die ich schon zweimal oder öfter gehört habe. Es ist dennoch eine absolute Ausnahme wenn ich das tue. „Gut gegen Nordwind“ gehört aber definitiv in diese kleine Gruppe von Büchern und ist daher wohl eines meiner Lieblingsbücher. Was umso erstaunlicher ist, da ich meistens Krimis und Fantasy lese oder höre. Liebesromane gehören so gut wie nie zu meiner Lektüre.

Worum es geht ist schnell erklärt. Leo Leike erhält eine E-Mail von einer unbekannten Frau. Er antwortet. Sie schreibt zurück. Und so beginnt ein anfangs nur oberflächlicher und dann langsam immer tiefer gehender Kontakt der einen einfach mitreißt.

Der ganze Roman wird in Form von E-Mails erzählt. Also ein klassischer, nur modernerer, Briefroman. Und wie sich schon aus der Einleitung ersehen lässt liebe ich dieses Buch. Ich weiß noch, dass ich beim ersten Hören nach ein paar Minuten schon begeistert war. Konkret nach dieser Passage:

„Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Emmi Rothner.

Zwei Minuten später
AW: Liebe Emmi Rothner, wir kennen uns zwar fast noch weniger als überhaupt nicht. Ich danke Ihnen dennoch für Ihre herzliche und überaus originelle Massenmail! Sie müssen wissen: Ich liebe Massenmails an eine Masse, der ich nicht angehöre. Mfg, Leo Leike.

18 Minuten später
RE: Verzeihen Sie die schriftliche Belästigung, Herr Mfg Leike. Sie sind mir irrtümlich in meine Kundenkartei gerutscht, weil ich vor einigen Monaten ein Abonnement abbestellen wollte und versehentlich Ihre E-Mail-Adresse erwischt hatte. Ich werde Sie sofort löschen. PS: Wenn Ihnen eine originellere Formulierung einfällt, jemandem »Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr« zu wünschen, als »Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr«, dann teilen Sie mir diese gerne mit. Bis dahin: Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! E. Rothner. Sechs Minuten später

AW: Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Fest und freue mich für Sie, dass Ihnen ein Jahr bevorsteht, das zu Ihren achtzig besten zählen wird. Und sollten Sie zwischendurch schlechte Tage abonniert haben, bestellen Sie sie ruhig – irrtümlich – bei mir ab. Leo Leike.“

Die Mails und damit die Geschichte ist spritzig erzählt. Man merkt den Nachrichten die unterschiedlichen Stile und Persönlichkeiten der Charaktere an. Und man gewinnt beide schnell lieb. Das Ganze hat einfach Witz und viel Charme. Manchmal wird es aber auch kompliziert, düster und ob es ein Happy End gibt wird hier natürlich nicht verraten.
Mal zieht sich ein Partner zurück, der Kontakt wird spärlicher. Dann wieder fliegen die Mails im Minuten- und Sekundentakt hin und her. Langweilig wird es nie. Und es spiegelt sich in der Kommunikation auch unsere moderne Welt. Man kennt sich ganz intim, schriebt sich bis in die frühen Morgenstunden und hat sich dabei nie gesehen.

Manchmal wirft auch der Alltag seine dunklen Schatten über das Geplänkel der beiden Protagonisten. Und so fragen sich beide genau wie der Leser, wäre es gut wenn sie sich treffen? Sollen sie sich treffen? Oder würde das nur alles zerstören? Aber das soll jeder selber nachlesen oder nachhören.

Noch mehr gewinnt die Geschichte durch den Vortrag von Andrea Sawatzki und Christian Berkel die Emmi und Leo sprechen. Das ist fantastisch umgesetzt und für mich ein Paradebeispiel wie ein Hörbuch durch den Vortrag noch besser sein kann als es ein selber gelesenes Buch je sein könnte. Von mir eine absolute Hörempfehlung.

“Gut gegen Nordwind”, Autor: Daniel Glattauer, Sprecher: Andrea Sawatzki, Christian Berkel, HörbuchHamburg, 288 Minuten

Gelungener Genre-Wechsel – „Der Ruf des Kuckucks“ und „Der Seidenspinner“

Cormoran Strike ist ehemaliger Militär-Polizist, Afghanistan-Veteran und unehelicher Sohn eines Rockstars. Nach einer Verwundung wurde ihm ein Unterschenkel amputiert und er wurde aus der Armee entlassen. Jetzt arbeitet er mehr schlecht als Recht als Privatdetektiv in London. Vor allem ist Cormoran Strike aber die Hauptfigur der neuen Krimireihe von J. K. Rowling. Ja, genau DIE.

Als der erste Band unter dem Pseudonym Robert Galbraith erschien dauerte es nicht lange bis bekannt wurde wer die tatsächliche Autorin ist und die Verkaufszahlen explodierten geradezu. Aber auch durchaus zurecht, denn die Bücher sind wirklich gute Unterhaltung.

Im ersten Fall, „Der Ruf des Kuckucks“ geht es um den Tod des jungen Models Lula Landry. Ihr Stiefbruder beauftragt Strike zu beweisen dass der Tod kein Selbstmord war sondern ein Mord. Im zweiten Fall verschwindet der Skandalautor Owen Quine und seine Frau beauftragt Strike ihn zu suchen. Als dieser ihn findet ist er aber tot. Ermordet.


Die Fälle sind durchaus spannend und zum mitraten wer denn nun vom bekannten Personal der Mörder ist. Soweit in bester „Whodunit“ und Agatha Christie-Manier. In Teil eins taucht man dabei in die Welt der Mode ein. Besonders lustig wird es aber in Teil zwei bei dem es um eitle Autoren, gierige Verleger und verrückte Fans geht. Eine Welt in der sich Rowling nun wirklich auskennt. Und das merkt man. Auch der eigentliche Krimi ist im zweiten Teil sicher besser als im ersten. Das echte Highlight ist aber der Ermittler selber und sein „Sidekick“ Robin Ellacott. Die beiden haben mir wirklich Spaß gemacht und sorgen dafür, dass ich mich auf die hoffentlich bald folgenden Bände schon jetzt freue.

Wer reine Hardboiled-Kost such ist hier sicher falsch. Es geht in beiden Büchern auch viel um die Protagonisten. Die Ex-Geliebte von Strike, seine Kindheit als Kind eines drogensüchtigen Groupies und auch der Verlobte von Robin nehmen einigen Raum ein. Mir hat das gut gefallen. Alles in allem sind die beiden Bücher gute Unterhaltung und absolut weiter zu empfehlen. Auch in meinem Freundeskreis haben sich schon weitere begeisterte Leser gefunden. Bitte also mehr davon.

Nicht zu vergessen ist natürlich Dietmar Wunder. Er liest beide Bücher in gewohnt großartiger Manier und zeigt hier wieder warum er gerade für Krimis gut geeignet ist. Ein Genuss.

“Der Ruf des Kuckucks”, Autor: Robert Galbraith, Sprecher: Dietmar Wunder, Random House Audio, 962 Minuten

“Der Seidenspinner”, Autor: Robert Galbraith, Sprecher: Dietmar Wunder, Random House Audio, 996 Minuten

Kurzbesprechungen 2015/01

Amy und Nick Dunne sind von der Finanzkrise gebeutelt, arbeitslos und ziehen von New York in seine Heimatstadt nach Missouri. Ihre kriselnde Beziehung unter anderem auch darunter, dass Amy als geborene New Yorkerin sich schwer tut im provinziellen Missouri zu leben. An ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy spurlos und schnell gerät Nick in den Verdacht hinter ihrem Verschwinden zu stecken…

Erzählt wird die Geschichte von Amy und Nick aus zwei Ich-Perspektiven. Von Nick erfahren wir den Fortgang der aktuellen Handlung zum Zeitpunkt des Verschwindens von Amy. Sie wiederum lernen wir aus Tagebucheinträgen kennen die etwa dann einsetzen als Sie Nick kennen lernt und dann immer näher an die aktuelle Handlungszeit heran kommt. Wem wir glauben, wen wir mögen, das macht uns die Autorin nicht einfach. Beide taugen nicht als „Held“ oder Identifikationsfigur. Viel mehr kann man über die Handlung kaum verraten ohne zu viel preiszugeben.

Ich mochte das Buch, es hat mich aber nicht mitgerissen. Am Ende ist man relativ fassungslos und fragt sich ob diese „Mann-Frau-Geschichte“ wirklich so eine gute Idee ist. Das Buch ist lohnenswert aber nicht der absolute Knaller.
Wirklich sehr gut machen das Hörbuch allerdings die beiden Schauspieler Matthias Koeberlin und Christiane Paul. Wirklich fantastisch. Vor allem Christiane Paul, die ich vorher als Interpretin eines Hörbuchs noch nicht kannte, fand ich großartig. Also wie so oft hat das Hörbuch für mich durch den Vortrag auf jeden Fall einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem gedruckten Buch.

“Gone Girl”, Autor: Gillian Flynn, Sprecher: Matthias Koeberlin und Christiane Paul, argon hörbuch, 1056 Minuten


mr-mercedes

In einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt in den USA stehen mitten in der Nacht Hunderte Arbeitsuchende Schlange für eine am nächsten Morgen stattfindende Jobbörse.eingefunden. Ohne Vorwarnung rast ein Mercedes mit voller Absicht in die wartende Menge und tötet und verletzt Dutzende Menschen.
Monate später ist der leitende Detective Bill Hodges pensioniert. Aber sein letzter Fall lässt ihn nicht los. Da flattert ihm ein anonymer Brief ins Haus und der Absender behauptet der Mercedes-Killer zu sein…

Stephen King schreibt schon lange nicht mehr „nur“ Horror-Romane. Dieses Buch ist eher ein klassischer Thriller und dabei doch ein „echter“ King. Schnell erfährt der Leser wer Mr. Mercedes ist und zwischen ihm und Bill Hodges entspinnt ein gefährlicher und spannender Zweikampf.
Ich fand das Buch wieder großartig. Es ist spannend, es beinhaltet viele der klassischen King-Motive. So kommt auch hier die Gefahr für unseren geregelten Alltag mitten aus dem „normalen“ und alltäglichen. Auch setzt er wieder sein bekanntes Stilmittel ein uns aus harmlosen Beschreibungen heraus unerwartet einen Blick in die schrecklichen nahenden Ereignisse zu gewähren („…ehe er wenige Minuten später seinen linken Arm verlieren sollte…“). Und wie auch schon so oft gibt es für die vielen Fans Querverweise und Anspielungen auf frühere King-Bücher und -Geschichten.

Wer also King mag und keinen Horror im Stil von „Friedhof der Kuscheltiere“ erwarte ist hier bestens bedient. Der Meister zeigt hier das er packende Thriller spielend drauf hat und auch damit wirklich überzeugen kann. An mein Lieblingsbuch der jüngeren King-Werke „Der Anschlag“ kommt „Mr. Mercedes“ aber nicht heran.
Das David Nathan großartig vorträgt ist selbstverständlich. Für mich ist er einfach ein Meister seines Fachs.

“Mr. Mercedes”, Autor: Stephen King, Sprecher: David Nathan, Random House Audio, 998 Minuten


Ein junger Mann ist tot. Niemand scheint ihn wirklich gekannt zu haben, niemanden wundert sein Tod und nur Paola Brunetti will mehr wissen über diesen behinderten jungen Mann, den sie vom Sehen aus ihrer Wäscherei kannte. Also muss ihr Mann Commissario Brunetti ermitteln…

Ich möchte gar nicht viel zu diesem Buch sagen. Seit Jahren denke ich jedes Jahr „das war jetzt der letzte Brunetti“. Aber dann werde ich doch rückfällig. Mal sehen ob ich meine Lektion jetzt gelernt habe. Dieses Buch ist kein Krimi. Donna Leon schriebt eigentlich schon lange keine Krimis mehr sondern Sozialstudien. Als solche sind ihre Bücher vielleicht ganz gut. Mein Fall sind sie nicht mehr wirklich.
Den Rest hat mir der Interpret gegeben. Ich kannte Joachim Schönfeld vorher nicht und habe nicht das Verlangen noch ein Buch von ihm zu hören. Uninspiriert und einschläfernd. Mehr fällt mir zu seinem Vortrag nicht ein. Eine Jammer für eine Reihe in der schon Sprecher wie Christoph Lindert, Jochen Striebeck oder Achim Höppner gelesen haben.

“Das goldene Ei”, Autor: Donna Leon, Sprecher: Joachim Schönfeld, Diogenes, 536 Minuten


John Grisham habe ich gelesen als er mit „Die Firma“ noch eine Art Entdeckung und Newcomer war. Nach ein paar Büchern habe ich dann das Interesse verloren. Jetzt, ca. 20 Jahre später habe ich mit „Das Komplott“ und „Die Erbin“ mal wieder zwei Grisham zur Hand genommen und was soll ich sagen? Er kann es durchaus noch. Sehr unterhaltsam.
Es hat sich aber dennoch einiges verändert. Wo früher die Anwälte Helden waren und für das Gute kämpften ist hier alles nicht mehr nur schwarz und weiß. Unser Held sitzt im Gefängnis, Politiker und Justiz sind korrupt und überhaupt ist das Land seit damals bei John Grisham ziemlich den Bach runter gegangen. Aber insgesamt tut das seinen früher etwas klinisch-reinen Büchern durchaus gut. Über die Geschichte will ich nicht viel verraten. Es ist eine nette Räubergeschichte die sich sicher sofort gut verfilmen ließe. Nett, aber auch nicht mehr.
Charles Brauer als Leser macht das ebenfalls sehr routiniert und gut aber auch nicht überragend.

“Das Komplott”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 868 Minuten


„Die Erbin“ hat mich dann schon deutlich mehr begeistert. John Grisham kehrt hier zurück zum Setting seines Buches „Die Jury“, dass schon damals sein eindeutig bestes war. Die Handlung setzt drei Jahre nach dem Prozess gegen Carl Lee Hailey ein und wieder ist Jake Brigance unser Held. Der schwer kranke Unternehmer Seth Hubbard nimmt sich das Leben und hinterlässt in einem von zwei Testamenten sein ganzes Vermögen seiner schwarzen Haushälterin. Sofort kocht die Gerüchteküche, die entfremdeten Verwandten sind entsetzt und fechten das Testament an und mitten drin steckt Jake Brigance als von Hubbard per letztem Willen eingesetzter Testamentsvollstrecker.
Das Buch ist kein Thriller. Es geht tatsächlich um den Nachlass des verstorbenen Millionärs und die Hintergründe der Familien der Beteiligten. Ja, das Buch ist etwas lang geraten. Aber Grisham zeigt hier alles was schon „Die Jury“ besser gemacht hat als seine späteren Bücher. Es geht auch um Dinge die die USA nicht gerne beleuchten. Blanken Rassenhass, Vorurteile, frühere Lynchjustiz usw. Das hat mich gepackt und bis zum Schluss interessiert. Sollte Jake Brigance mal wieder zurück kommen, ich wäre wieder dabei.

“Die Erbin”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 1463 Minuten

Routiniert gut – „Reiner Wein“

Dies ist der sechste Band der Krimis um den „Dorfpolizisten“ Bruno Courrèges und das (fiktive) Örtchen Saint-Denis. Wie schon bei „Bretonisches Gold“ erwähnt ist es bei Krimi-Serien immer wieder schön in das gewohnte Setting zurück zu kehren. Und so ist es auch hier. Man trifft die alle wieder: Bruno, Jean-Jacques, Pamela, den Bürgermeister, Fabiola usw.

Die Handlung zusammen zu fassen fällt hier nicht ganz leicht. Es geht unter anderem um ein paar Einbrüche, eine Schlägerei die zehn Jahre zurück liegt, einen Überfall auf einen Zug den die Résistance ausgeführt hat und natürlich auch um einen Mord. Dabei folgt Walker weiter seinem Rezept, dass die Fälle im beschaulichen Saint-Denis immer irgendwie mit der großen Politik und/oder der Geschichte zu tun haben. Mir gefällt das, allerdings ist es in diesem speziellen Fall so, dass die Verbindung am Ende sehr sang- und klanglos im Nichts verschwindet. Schade, denn speziell zu diesem Thema hätte ich gerne noch viel mehr erfahren.

Ansonsten ist alles wie immer. Bruno steht zwischen mindestens zwei Frauen. Er reitet und erzieht seinen jungen Hund Gigi und er kocht gerne und viel, was ausführlich Erwähnung findet. Und natürlich hat für jede Spezialität des Perigord irgendeine erstklassige Bezugsquelle.

Was mir schon bei „Bretonisches Gold“ so aufgefallen ist, ist hier noch viel stärker ausgeprägt. Wo es geht werden französische Begriffe stehen gelassen. Vor allem wenn es mit Lebensmitteln zu tun hat. Da ist vom „petit blanc“ die Rede oder vom „petit apéro“. Jenseits kulinarischer Themen dann von der „zone industriel“ oder dem „croix de guerre“. Für alle begriffe gäbe es auch deutsche Entsprechungen. Aber die französischen Begriffe sorgen natürlich für einen gewissen Charme und den Klang von Urlaub. Es hilft jedoch, wenn man ein wenig des Französischen mächtig ist um allem folgen zu können.

Eine besondere Eigenart oder Marotte des Autors ist mir in diesem band besonders aufgefallen. Viele Personen kommen durchgängig nur mit ihren Vornamen vor. Da wird immer wieder von Jean-Jacques, Florence, Isabelle, Fabiola oder Gilles die Rede. Man muss manchmal schon aufpassen um noch zu wissen vom wem die Rede ist. Ich weiß nicht ob der Autor damit die Dörflichkeit des Handlungsortes unterstreichen will oder was er sonst damit bezweckt. Meinen Erfahrungen in Frankreich nach spricht man sich dort nicht immer und ausschließlich mit Vornamen an. Und auch für die Verständlichkeit der Geschichte könnte er das aus meiner Sicht etwas einschränken.

Aber das sind Kleinigkeiten und alles in allem hatte ich wieder Spaß mit Bruno und dem aktuellen Fall aus Saint-Denis. Auch wenn dieser sicher nicht der stärkste der bisherigen Reihe war werde ich beim nächsten Band bestimmt wieder zuhören. Zumal, wenn Johannes Steck liest. Denn dem höre ich ausgesprochen gerne zu.

“Reiner Wein”, Autor: Martin Walker, Sprecher: Johannes Steck, Diogenes, Ungekürzte Lesung, 608 Minuten