Tolle Unterhaltung – „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“

51npm88ubaL._SS500_Ich mache es mir sonst nicht ganz so einfach, aber dieser Klappentext des Verlages fasst die Ausgangssituation einfach zu gut zusammen. Daher hier einfach mal als Zitat: „Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln…“

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin weiß ich gar nicht mehr. Irgendwann lief es mir über den Weg und ich war interessiert und habe es auf meine Merkliste gesetzt. Für mehr hat es nicht gereicht. Dort auf der Liste lag es dann eine Weile. Irgendwann, als ich „Koma“ von Jo Nesbø fertig hatte, war ich auf der Suche nach dem nächsten Buch. Also fing ich ohne viel Erwartungen mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ an. Und was soll ich sagen? Das Buch hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Auf der einen Seite ist es ein Krimi. Ein ziemlich kniffliger Krimi. Die Handlung nimmt so viele Wendungen dass es einem schwindlig werden kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Satire auf den Buchbetrieb und das Schreiben an sich. Beide Ebenen haben für mich prima funktioniert. Das wichtigste aber ist: das Buch ist verdammt gute Unterhaltung. Man möchte es irgendwann einfach nicht mehr aus der Hand legen und man möchte vor allem wissen was es denn nun auf sich hat mit dieser ganzen Geschichte.

Besonders gefallen hat mir das Kleinstadt-Feeling, dass ein wenig an Twin Peaks erinnert. Und natürlich auch die fantastischen Nebenfiguren. Natürlich Nola, über die man im Rückblick viel erfährt, aber auch so schillernde Figuren wie ein entstellter Chauffeur, eine ehrgeizige Diner-Betreiberin oder ein manchmal undurchsichtiger Polizeichef. Wirklich klasse.

Eines hat mich tatsächlich etwas genervt, Nola spricht Harry Quebert beständig mit „Sie“ an. Das wirkt merkwürdig und hölzern. Das mag aber auch an der Übersetzung liegen. Keine Ahnung.
Auch mag man dem Buch vorwerfen, dass es die eine oder andere Wendung zu viel nimmt. Am Ende war ich auch an einem Punkt an dem ich dachte „Noch eine?“. Manches was wohl als großer Clou geplant war ist für den versierten Krimileser leicht zu durchschauen. Auf anderes wäre ich im Leben nicht gekommen. Aber egal ob er vielleicht etwas übertreibt, egal ob manches etwas an den Haaren herbei gezogen ist. Ich bleibe bei meiner Aussage: das Buch ist verdammt gute Unterhaltung. Ich hatte einen unglaublichen Spaß beim hören und war immer neugierig wie es weiter geht. Von mir also eine absolute Empfehlung. Gerade für den Sommerurlaub kann man hier eigentlich nichts falsch machen.