Ein moderner Genre-Klassiker – „Der Marsianer“

der_marsianer„Ich bin so was von im Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
Im Arsch.“

Mit diesen Worten beginnt das Buch und der Autor setzt damit gleich den lockeren Ton in dem zumindest sein Protagonist uns seine Sicht der Geschichte erzählen wird. Mark Watney ist auf dem Mars gestrandet. Seine Astronauten-Kollegen mussten ihn für tot halten und haben mit einem Notstart den Mars Richtung Erde verlassen. Er ist alleine. Er hat keine Möglichkeit die NASA oder seine anderen Crew-Mitglieder zu erreichen. Das nächste Raumschiff von der Erde würde 4 Jahre brauchen ihn zu erreichen und er hat Vorräte und Lebenserhaltung für ca. 30 Tage. Seine oben zitierte Einschätzung scheint also ziemlich zutreffend.

Was aber dann folgt ist eine unglaubliche Robinson Cruseo-Geschichte in der wir Mark Watney und sein sonniges Gemüt besser kennen lernen, denn wir erfahren von seinen Bemühungen aus einem Logbuch dass er regelmäßig führt. Es gibt aber auf dem Mars aus offensichtlichen Gründen keinen allwissenden Erzähler der uns mehr offenbart als Mark selber weiß. Also fängt er an das zu tun was sein einziger Ausweg zu sein scheint und was im englischen Original heißt: „I’m going to have to science the shit out of this“.

Das Buch ist großartig und hat mich fantastisch unterhalten. Dazu trägt zu einem nicht geringen Maße der Ton an in dem der Autor Watney von seinen Bemühungen berichten lässt. Etwa wenn er sich nach Schilderung lebensbedrohlicher Probleme über die Musik-Auswahl auf den zurückgelassenen USB-Sticks der Kollegen beschwert. Oder wenn er von technischen Schilderungen unvermittelt auf die Handlung von Serien aus den 70ern zu sprechen kommt die ebenfalls auf den USB-Sticks liegen und seine einzige Unterhaltung sind.

An nicht wenigen Stellen wird das Buch natürlich sehr technisch. Die Schilderungen der ganzen Berechnungen sie Mark anstellt habe ich einigermaßen an mir vorbei rauschen lassen. Im Detail haben sie mich nicht interessiert. Ein wenig Wissenschafts-Porno würde ich sagen. Er sei denen gegönnt die darauf stehen. Für mich waren sie notwendiges Übel. Aber der Rest ist wie gesagt beste Unterhaltung.
Natürlich kommt irgendwann die NASA ins Spiel und auf der Erde erfährt man, dass Mark Watney noch lebt. Auch die Szenen auf der Erde und die Figuren dort sind sehr gut geschrieben. Das Zentrum der Geschichte und der Held bleibt aber natürlich unser Mann auf dem Mars und sein Kampf ums Überleben.

Der Autor hatte das Buch übrigens unzähligen Verlagen angeboten die es alle ablehnten. Dann veröffentlichte er seinen Erstling auf seiner eigenen Homepage wo er erste Leser fand. Auf deren Drängen brachte er eine Version für den Kindle heraus. Diese stellte er für den Mindestbetrag von 99 Cent bei Amazon online. Als das Buch dort zu Bestseller wurde sprang erst ein Hörbuch-Verlag, dann ein Buchverlag und schließlich auf Hollywood auf das Buch an. Das sollte allen erfolglosen Autoren dort draußen Mut machen.

Wissenschaftlich scheint das alles was der Autor Andy Weir hier schreibt wohl stichhaltig zu sein. Nicht dass das für ein gutes Buch entscheidend wäre, aber es ist dennoch ein interessanter Fakt wenn man beim Lesen des Buchs manchmal den Kopf schütteln uns „So ein haarsträubender Unsinn“ sagen will.

Der Sprecher Richard Barenberg macht seine Sache weder sehr schlecht noch sehr gut. Solide würde ich sagen.

Nach dem Film „Gravity“ aus dem Jahr 2013 hier also ein weiteres Beispiel für sehr realistische und in der nahen Zukunft spielende Science Fiction. Sehr spannend und empfehlenswert.

“Der Marsianer”, Autor: Andy Weir, Sprecher: Richard Barenberg, Audible, 756 Minuten