Seltsamer Welterfolg – „Girl on a Train“

Ich bin niemand, der grundsätzlich alles schlecht findet was gehypt wird und der seine Lieblingsband fallen lässt, weil andere sie jetzt auch gut finden. Aber den unfassbar großen Erfolg dieses gehypten Buches kann ich wirklich nicht ganz nachvollziehen. Die SZ schreibt, es sei ein solider Thriller. Dem kann ich zustimmen. Mehr ist es aber eben auch nicht.

Rachel wurde von ihrem Mann Tom für eine andere Frau verlassen, mit der er jetzt ein Kind hat. Etwas, was Rachel sich immer für sich und Tom gewünscht hatte, wozu es aber nie kam. Nun ist Rachels Alkoholkonsum aus den Fungen geraten, gerne getrunken hatte sie schon immer, und sie fährt von ihrer neuen Wohnung jeden Tag mit dem Zug an ihrem alten haus vorbei. In diesem Haus wohnen Tom und seine neue Frau Anna nun zusammen. Und in der selben Straße wohnt ein weiteres Paar, dass Rachel jeden Tag aus dem Zug beobachtet. Sie nennt die beiden „Jason“ und „Jess“. In diese beiden fantasiert sie alles hinein, was sie sich für ihre Ehe gewünscht hätte. Aber eines Tages beobachtet Rachel, wie „Jess“ im Garten des Hauses einen anderen Mann küsst. Und kurz darauf verschwindet „Jess“, die eigentlich Megan heißt, spurlos.

Das ist der Plot dieses Thrillers. Erzählt wird die Geschichte von drei Erzählerinnen. Rachel, Anna und Megan. Aus ihrer Sicht erfahren wir über ihre Vorgeschichte und was in den Tagen vor und nach dem Verschwinden Megans geschehen ist. Zuerst einmal: ja, das erinnert nicht nur vom Titel, sondern auch von der Erzählweise ziemlich an „Gone Girl„. In beiden Büchern darf der Leser dem Erzähler oder der Erzählerin nicht alles glauben. Das ist nicht neu, aber immer wieder wirksam und sorgt für große Spannung. Ich mag das. In beiden Büchern waren mir die Hauptprotagonisten ziemlich unsympathisch. Auch das ist noch kein Drama, macht ein Buch für mich aber schon schwieriger.

Richtig genervt hat mich an „Girl on a Train“ aber, dass alle drei Erzählerinnen so schwach und klischeehaft geschildert werden. Natürlich leiden alle drei Protagonistinnen unter irgendetwas, was mit Kinderwunnsch/Schwangerschaft/Mutterinstinkt zu tun hat. Andere Motivationen scheinen sie nicht zu haben. Und natürlich tun sie alles was sie tun, weil sie

a) den Mann behalten,
b) den Mann zurück haben oder
c) den Mann glücklich machen wollen.

Echt jetzt? Das ist der literarische Welterfolg 2016? Weiter sind wir nicht? Den Bechdel-Test bestehen diese Frauen jedenfalls nicht. Da war mir Amy Elliott Dunne aus „Gone Girl“ lieber. Der ging es zwar auch um ihren Mann, aber das war schon eine andere Baustelle.

Es bleibt solide Thrillerkost, aber umgehauen hat es mich wahrlich nicht. Schon erstaunlich was da manchmal zum Welterfolg wird. Da bleibe ich bei meinen aktuellen Favoriten Stuart MacBride und Jo Nesbo. Das ist eher mein Fall.

Leider bleiben auch die Sprecherinnen recht flach. Wobei Britta Steffenhagen, die Sprecherin die den Part der Rachel liest noch am ehesten heraus sticht und sich gut schlägt.

“Girl on a Train”, Autor: Paula Hawkins, Sprecher: Britta Steffenhagen, Christiane Marx, Rike Schmid, Random House Audio, Ungekürzte Lesung, 723 Minuten

Ein moderner Genre-Klassiker – „Der Marsianer“

der_marsianer„Ich bin so was von im Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
Im Arsch.“

Mit diesen Worten beginnt das Buch und der Autor setzt damit gleich den lockeren Ton in dem zumindest sein Protagonist uns seine Sicht der Geschichte erzählen wird. Mark Watney ist auf dem Mars gestrandet. Seine Astronauten-Kollegen mussten ihn für tot halten und haben mit einem Notstart den Mars Richtung Erde verlassen. Er ist alleine. Er hat keine Möglichkeit die NASA oder seine anderen Crew-Mitglieder zu erreichen. Das nächste Raumschiff von der Erde würde 4 Jahre brauchen ihn zu erreichen und er hat Vorräte und Lebenserhaltung für ca. 30 Tage. Seine oben zitierte Einschätzung scheint also ziemlich zutreffend.

Was aber dann folgt ist eine unglaubliche Robinson Cruseo-Geschichte in der wir Mark Watney und sein sonniges Gemüt besser kennen lernen, denn wir erfahren von seinen Bemühungen aus einem Logbuch dass er regelmäßig führt. Es gibt aber auf dem Mars aus offensichtlichen Gründen keinen allwissenden Erzähler der uns mehr offenbart als Mark selber weiß. Also fängt er an das zu tun was sein einziger Ausweg zu sein scheint und was im englischen Original heißt: „I’m going to have to science the shit out of this“.

Das Buch ist großartig und hat mich fantastisch unterhalten. Dazu trägt zu einem nicht geringen Maße der Ton an in dem der Autor Watney von seinen Bemühungen berichten lässt. Etwa wenn er sich nach Schilderung lebensbedrohlicher Probleme über die Musik-Auswahl auf den zurückgelassenen USB-Sticks der Kollegen beschwert. Oder wenn er von technischen Schilderungen unvermittelt auf die Handlung von Serien aus den 70ern zu sprechen kommt die ebenfalls auf den USB-Sticks liegen und seine einzige Unterhaltung sind.

An nicht wenigen Stellen wird das Buch natürlich sehr technisch. Die Schilderungen der ganzen Berechnungen sie Mark anstellt habe ich einigermaßen an mir vorbei rauschen lassen. Im Detail haben sie mich nicht interessiert. Ein wenig Wissenschafts-Porno würde ich sagen. Er sei denen gegönnt die darauf stehen. Für mich waren sie notwendiges Übel. Aber der Rest ist wie gesagt beste Unterhaltung.
Natürlich kommt irgendwann die NASA ins Spiel und auf der Erde erfährt man, dass Mark Watney noch lebt. Auch die Szenen auf der Erde und die Figuren dort sind sehr gut geschrieben. Das Zentrum der Geschichte und der Held bleibt aber natürlich unser Mann auf dem Mars und sein Kampf ums Überleben.

Der Autor hatte das Buch übrigens unzähligen Verlagen angeboten die es alle ablehnten. Dann veröffentlichte er seinen Erstling auf seiner eigenen Homepage wo er erste Leser fand. Auf deren Drängen brachte er eine Version für den Kindle heraus. Diese stellte er für den Mindestbetrag von 99 Cent bei Amazon online. Als das Buch dort zu Bestseller wurde sprang erst ein Hörbuch-Verlag, dann ein Buchverlag und schließlich auf Hollywood auf das Buch an. Das sollte allen erfolglosen Autoren dort draußen Mut machen.

Wissenschaftlich scheint das alles was der Autor Andy Weir hier schreibt wohl stichhaltig zu sein. Nicht dass das für ein gutes Buch entscheidend wäre, aber es ist dennoch ein interessanter Fakt wenn man beim Lesen des Buchs manchmal den Kopf schütteln uns „So ein haarsträubender Unsinn“ sagen will.

Der Sprecher Richard Barenberg macht seine Sache weder sehr schlecht noch sehr gut. Solide würde ich sagen.

Nach dem Film „Gravity“ aus dem Jahr 2013 hier also ein weiteres Beispiel für sehr realistische und in der nahen Zukunft spielende Science Fiction. Sehr spannend und empfehlenswert.

“Der Marsianer”, Autor: Andy Weir, Sprecher: Richard Barenberg, Audible, 756 Minuten

Ein Vergnügen – „Ready Player One“

ready_player_oneJa, das Buch hat seine Schwächen. Und der Science Fiction-Part kommt etwas kurz. Und das obwohl die Handlung im Jahr 2044 spielt. Von der Gesellschaft und der Welt in dieser Zukunft bekommt man allerdings recht wenig mit. Das ist etwas schade. Aber meine Güte, hat mich das Buch gut unterhalten!

Wer ein Faible für die 80er Jahre hat, vielleicht sogar damals aufgewachsen ist, die Serien und Filme gesehen, die Computerspiele der Zeit gespielt hat, der wird dieses Buch lieben.

Die Geschichte spielt wie gesagt im Jahr 2044, die Welt ist ziemlich den Bach runter gegangen. Die Menschen hausen in Containern sind verarmt und verbringen ihre meiste Zeit in der OASIS. Einem riesigen Online-Rollenspiel dass sich zu einer virtuellen Parallelwelt entwickelt hat. Man kann dort zur Schule gehen, Abenteuer erleben, sich treffen, chatten, sich verlieben und sich perfekt von der traurigen Realität ablenken. Plötzlich stirbt der Erfinde und Erbauer dieser OASIS und hinterlässt der Nachwelt ein Rätsel und das Versprechen, dass dem Sieger endlosen Reichtum verspricht. Die Hauptfigur Wade Watts, ein Junge aus den Slums von Oklahoma löst das erste Rätsel der Schnitzeljagd und steht für alle sichtbar auf Platz 1 der Highscorelist. Plötzlich ist er berühmt – und wird vom Killerkommandos gejagt.

Das Buch ist ein einziger „Nerdgasm“. Die ganze Handlung ist gespickt mit Anspielungen auf die Pop-Kultur und speziell auf die 80er. Alle Rätsel und ihre Lösungen haben etwas mit Spielen, Serien und Filmen zu tun, denn der Erfinder der Jagd im Buch ist natürlich selber Kind der 80er und er sucht einen Erben der seine Schöpfung in seinem Sinne führt. Also einen Bruder im Geiste. Für Fans ist das das reinste Vergnügen.

Da tauchen Trannamen wie Harry Tuttle und Sam Lowry auf. Der Film „WarGames“ spielt eine Rolle und die Protagonisten sinnieren über andere Filme wie „Der Tag des Falken“, natürlich „Star Wars“ und „Indiana Jones“ oder Serien wie „Family Ties“.
Auch die Jagd der (meist) jugendlichen Jäger nach dem Schatz erinnert ein wenig an Filme wie „Die Goonies“ (die natürlich auch erwähnt werden). Da passt es dann am Ende auch perfekt in Bild, dass Super-Nerd Wil Wheaton als Vorsitzender eines User-Rates der OASIS erwähnt wird und dass die Initialen unseres Helden WOW lauten. Wade Owen Watts oder „World of Warcraft“. An einen Zufall glaube ICH da nicht.

Über die Handlung mehr zu verraten würde bedeuten den Spaß zu verderben. Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, für den ist das Buch dann vielleicht auch nichts. Der Sprecher war mir völlig unbekannt, macht seine Sache aber sehr sehr gut. Die verschiedenen Personen bekommen sehr charakteristische Stimmen und er transportiert die Stimmung der Geschichte hervorragend.

Übrigens, das Buch wird in naher Zukunft verfilmt. Von niemand geringerem als Steven Spielberg. Was ja in sich schon wieder eine wunderbarer Gag ist.

“Ready Player One”, Autor: Ernest Cline, Sprecher: Martin Bross, Random House Audio, 963 Minuten

Gelungener Genre-Wechsel – „Der Ruf des Kuckucks“ und „Der Seidenspinner“

Cormoran Strike ist ehemaliger Militär-Polizist, Afghanistan-Veteran und unehelicher Sohn eines Rockstars. Nach einer Verwundung wurde ihm ein Unterschenkel amputiert und er wurde aus der Armee entlassen. Jetzt arbeitet er mehr schlecht als Recht als Privatdetektiv in London. Vor allem ist Cormoran Strike aber die Hauptfigur der neuen Krimireihe von J. K. Rowling. Ja, genau DIE.

Als der erste Band unter dem Pseudonym Robert Galbraith erschien dauerte es nicht lange bis bekannt wurde wer die tatsächliche Autorin ist und die Verkaufszahlen explodierten geradezu. Aber auch durchaus zurecht, denn die Bücher sind wirklich gute Unterhaltung.

Im ersten Fall, „Der Ruf des Kuckucks“ geht es um den Tod des jungen Models Lula Landry. Ihr Stiefbruder beauftragt Strike zu beweisen dass der Tod kein Selbstmord war sondern ein Mord. Im zweiten Fall verschwindet der Skandalautor Owen Quine und seine Frau beauftragt Strike ihn zu suchen. Als dieser ihn findet ist er aber tot. Ermordet.


Die Fälle sind durchaus spannend und zum mitraten wer denn nun vom bekannten Personal der Mörder ist. Soweit in bester „Whodunit“ und Agatha Christie-Manier. In Teil eins taucht man dabei in die Welt der Mode ein. Besonders lustig wird es aber in Teil zwei bei dem es um eitle Autoren, gierige Verleger und verrückte Fans geht. Eine Welt in der sich Rowling nun wirklich auskennt. Und das merkt man. Auch der eigentliche Krimi ist im zweiten Teil sicher besser als im ersten. Das echte Highlight ist aber der Ermittler selber und sein „Sidekick“ Robin Ellacott. Die beiden haben mir wirklich Spaß gemacht und sorgen dafür, dass ich mich auf die hoffentlich bald folgenden Bände schon jetzt freue.

Wer reine Hardboiled-Kost such ist hier sicher falsch. Es geht in beiden Büchern auch viel um die Protagonisten. Die Ex-Geliebte von Strike, seine Kindheit als Kind eines drogensüchtigen Groupies und auch der Verlobte von Robin nehmen einigen Raum ein. Mir hat das gut gefallen. Alles in allem sind die beiden Bücher gute Unterhaltung und absolut weiter zu empfehlen. Auch in meinem Freundeskreis haben sich schon weitere begeisterte Leser gefunden. Bitte also mehr davon.

Nicht zu vergessen ist natürlich Dietmar Wunder. Er liest beide Bücher in gewohnt großartiger Manier und zeigt hier wieder warum er gerade für Krimis gut geeignet ist. Ein Genuss.

“Der Ruf des Kuckucks”, Autor: Robert Galbraith, Sprecher: Dietmar Wunder, Random House Audio, 962 Minuten

“Der Seidenspinner”, Autor: Robert Galbraith, Sprecher: Dietmar Wunder, Random House Audio, 996 Minuten

Kurzbesprechungen 2015/01

Amy und Nick Dunne sind von der Finanzkrise gebeutelt, arbeitslos und ziehen von New York in seine Heimatstadt nach Missouri. Ihre kriselnde Beziehung unter anderem auch darunter, dass Amy als geborene New Yorkerin sich schwer tut im provinziellen Missouri zu leben. An ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy spurlos und schnell gerät Nick in den Verdacht hinter ihrem Verschwinden zu stecken…

Erzählt wird die Geschichte von Amy und Nick aus zwei Ich-Perspektiven. Von Nick erfahren wir den Fortgang der aktuellen Handlung zum Zeitpunkt des Verschwindens von Amy. Sie wiederum lernen wir aus Tagebucheinträgen kennen die etwa dann einsetzen als Sie Nick kennen lernt und dann immer näher an die aktuelle Handlungszeit heran kommt. Wem wir glauben, wen wir mögen, das macht uns die Autorin nicht einfach. Beide taugen nicht als „Held“ oder Identifikationsfigur. Viel mehr kann man über die Handlung kaum verraten ohne zu viel preiszugeben.

Ich mochte das Buch, es hat mich aber nicht mitgerissen. Am Ende ist man relativ fassungslos und fragt sich ob diese „Mann-Frau-Geschichte“ wirklich so eine gute Idee ist. Das Buch ist lohnenswert aber nicht der absolute Knaller.
Wirklich sehr gut machen das Hörbuch allerdings die beiden Schauspieler Matthias Koeberlin und Christiane Paul. Wirklich fantastisch. Vor allem Christiane Paul, die ich vorher als Interpretin eines Hörbuchs noch nicht kannte, fand ich großartig. Also wie so oft hat das Hörbuch für mich durch den Vortrag auf jeden Fall einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem gedruckten Buch.

“Gone Girl”, Autor: Gillian Flynn, Sprecher: Matthias Koeberlin und Christiane Paul, argon hörbuch, 1056 Minuten


mr-mercedes

In einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt in den USA stehen mitten in der Nacht Hunderte Arbeitsuchende Schlange für eine am nächsten Morgen stattfindende Jobbörse.eingefunden. Ohne Vorwarnung rast ein Mercedes mit voller Absicht in die wartende Menge und tötet und verletzt Dutzende Menschen.
Monate später ist der leitende Detective Bill Hodges pensioniert. Aber sein letzter Fall lässt ihn nicht los. Da flattert ihm ein anonymer Brief ins Haus und der Absender behauptet der Mercedes-Killer zu sein…

Stephen King schreibt schon lange nicht mehr „nur“ Horror-Romane. Dieses Buch ist eher ein klassischer Thriller und dabei doch ein „echter“ King. Schnell erfährt der Leser wer Mr. Mercedes ist und zwischen ihm und Bill Hodges entspinnt ein gefährlicher und spannender Zweikampf.
Ich fand das Buch wieder großartig. Es ist spannend, es beinhaltet viele der klassischen King-Motive. So kommt auch hier die Gefahr für unseren geregelten Alltag mitten aus dem „normalen“ und alltäglichen. Auch setzt er wieder sein bekanntes Stilmittel ein uns aus harmlosen Beschreibungen heraus unerwartet einen Blick in die schrecklichen nahenden Ereignisse zu gewähren („…ehe er wenige Minuten später seinen linken Arm verlieren sollte…“). Und wie auch schon so oft gibt es für die vielen Fans Querverweise und Anspielungen auf frühere King-Bücher und -Geschichten.

Wer also King mag und keinen Horror im Stil von „Friedhof der Kuscheltiere“ erwarte ist hier bestens bedient. Der Meister zeigt hier das er packende Thriller spielend drauf hat und auch damit wirklich überzeugen kann. An mein Lieblingsbuch der jüngeren King-Werke „Der Anschlag“ kommt „Mr. Mercedes“ aber nicht heran.
Das David Nathan großartig vorträgt ist selbstverständlich. Für mich ist er einfach ein Meister seines Fachs.

“Mr. Mercedes”, Autor: Stephen King, Sprecher: David Nathan, Random House Audio, 998 Minuten


Ein junger Mann ist tot. Niemand scheint ihn wirklich gekannt zu haben, niemanden wundert sein Tod und nur Paola Brunetti will mehr wissen über diesen behinderten jungen Mann, den sie vom Sehen aus ihrer Wäscherei kannte. Also muss ihr Mann Commissario Brunetti ermitteln…

Ich möchte gar nicht viel zu diesem Buch sagen. Seit Jahren denke ich jedes Jahr „das war jetzt der letzte Brunetti“. Aber dann werde ich doch rückfällig. Mal sehen ob ich meine Lektion jetzt gelernt habe. Dieses Buch ist kein Krimi. Donna Leon schriebt eigentlich schon lange keine Krimis mehr sondern Sozialstudien. Als solche sind ihre Bücher vielleicht ganz gut. Mein Fall sind sie nicht mehr wirklich.
Den Rest hat mir der Interpret gegeben. Ich kannte Joachim Schönfeld vorher nicht und habe nicht das Verlangen noch ein Buch von ihm zu hören. Uninspiriert und einschläfernd. Mehr fällt mir zu seinem Vortrag nicht ein. Eine Jammer für eine Reihe in der schon Sprecher wie Christoph Lindert, Jochen Striebeck oder Achim Höppner gelesen haben.

“Das goldene Ei”, Autor: Donna Leon, Sprecher: Joachim Schönfeld, Diogenes, 536 Minuten


John Grisham habe ich gelesen als er mit „Die Firma“ noch eine Art Entdeckung und Newcomer war. Nach ein paar Büchern habe ich dann das Interesse verloren. Jetzt, ca. 20 Jahre später habe ich mit „Das Komplott“ und „Die Erbin“ mal wieder zwei Grisham zur Hand genommen und was soll ich sagen? Er kann es durchaus noch. Sehr unterhaltsam.
Es hat sich aber dennoch einiges verändert. Wo früher die Anwälte Helden waren und für das Gute kämpften ist hier alles nicht mehr nur schwarz und weiß. Unser Held sitzt im Gefängnis, Politiker und Justiz sind korrupt und überhaupt ist das Land seit damals bei John Grisham ziemlich den Bach runter gegangen. Aber insgesamt tut das seinen früher etwas klinisch-reinen Büchern durchaus gut. Über die Geschichte will ich nicht viel verraten. Es ist eine nette Räubergeschichte die sich sicher sofort gut verfilmen ließe. Nett, aber auch nicht mehr.
Charles Brauer als Leser macht das ebenfalls sehr routiniert und gut aber auch nicht überragend.

“Das Komplott”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 868 Minuten


„Die Erbin“ hat mich dann schon deutlich mehr begeistert. John Grisham kehrt hier zurück zum Setting seines Buches „Die Jury“, dass schon damals sein eindeutig bestes war. Die Handlung setzt drei Jahre nach dem Prozess gegen Carl Lee Hailey ein und wieder ist Jake Brigance unser Held. Der schwer kranke Unternehmer Seth Hubbard nimmt sich das Leben und hinterlässt in einem von zwei Testamenten sein ganzes Vermögen seiner schwarzen Haushälterin. Sofort kocht die Gerüchteküche, die entfremdeten Verwandten sind entsetzt und fechten das Testament an und mitten drin steckt Jake Brigance als von Hubbard per letztem Willen eingesetzter Testamentsvollstrecker.
Das Buch ist kein Thriller. Es geht tatsächlich um den Nachlass des verstorbenen Millionärs und die Hintergründe der Familien der Beteiligten. Ja, das Buch ist etwas lang geraten. Aber Grisham zeigt hier alles was schon „Die Jury“ besser gemacht hat als seine späteren Bücher. Es geht auch um Dinge die die USA nicht gerne beleuchten. Blanken Rassenhass, Vorurteile, frühere Lynchjustiz usw. Das hat mich gepackt und bis zum Schluss interessiert. Sollte Jake Brigance mal wieder zurück kommen, ich wäre wieder dabei.

“Die Erbin”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 1463 Minuten