Fernweh in die Bretagne – „Bretonischer Stolz“

bretonischer-stolz-bannalec-jean-luc-9783862315406Commissaire Dupin ist gerade bei den Pinguinen im Oceanopolis von Brest als ihn ein Anruf erreicht. In der Nähe von Belon hat eine Frau eine Leiche entdeckt. Kurz darauf wird in einer anderen Ecke der Bretagne eine zweite Leiche gefunden und keiner scheint die beiden Toten zu kennen. Dupin beginnt zu ermitteln und steht vor seinem vielleicht kuriosesten Fall.

Ich sage es gleich: die Krimi-Handlung ist nach dem etwas schwächeren dritten Band wieder deutlich besser. Vielleicht ist es sogar der beste Band der ganzen Reihe. Da tauchen mysteriöse Sandräuber auf, Druide-Zirkel die alte Bräuche pflegen und in der Bretagne ganz normal sind. Natürlich geht es auch um die gute Küche, im speziellen die Austern und allgemein um das Selbstverständnis der Bretonen. Es ist spannend und man rätselt gerne bis zum Schluss der eigentlich wieder viel zu schnell kommt. Denn eigentlich möchte man gerne länger in der Bretagne verweilen. Sie ist der eigentliche Hauptdarsteller der gesamten Reihe.

Wer nach Lektüre dieser Bücher die Bretagne nicht liebt und am besten sofort hin fahren möchte, dem kann ich nicht helfen. Der Autor beschreibt die Gegend, die Landschaft, ihre Geschichte und vor allem die Menschen mit solcher Liebe und Sympathie, dass es eine wahre Freude ist. Eine koordinierte Werbekampagne für die Bretagne hätte es nicht besser machen können. Meine Freundin und mich haben schon die ersten beiden Bände zu einer Reise nach Concarneau und Umgebung animiert und wir wollen gerne wieder hin.

Gerd Wameling ist das Ideal eines Sprechers. Er macht ein gutes Buch durch seinen Vortrag noch etwas besser. Bannalec und Wameling eine ideale Kombination.

Ich kann nur hoffen, dass der Autor noch viele weitere Bücher schreibt und uns Dupin, Kadeg, Riwal und Nolwenn noch lange erhalten bleiben. Übrigens, die Filme die die ARD aus den Büchern gemacht hat kann man sich anschauen, wie haben aber rein gar nichts von dem Charme der Buchvorlage. Am ehesten ohne Ton schauen, dann hat man die schöne Landschaft die es im Buch natürlich nicht gibt. Für alles andere lieber die Bücher hören oder eben lesen.

“Bretonisches Gold”, Autor: Jean-Luc Bannalec, Sprecher: Gerd Wameling, Der AudioVerlag, Ungekürzte Lesung, 642 Minuten

Man fühlt sich sofort wieder wie daheim – „Bretonisches Gold“

bretonisches_gold

Serien sind beliebt. Im Fernsehen, aber vor allem auch bei Büchern im Krimi-Genre. Schon im 19. Jahrhundert gab es den heute wieder so populären Sherlock Holmes, geschrieben von Sir Arthur Conan Doyle. In den folgenden Jahrzehnten dann unter anderem die Ermittler von Dorothy L. Sayers, Raymond Chandler oder Agatha Christie. Und auch heute haben Krimi-Serien oder Krimi-Reihen nichts von ihrer Beliebtheit verloren.
Ich selber mag es sehr, wenn ich in ein gewohntes Setting und zu den lieb gewonnenen Figuren zurück kehren kann. Ich verfolge mehrere Serien bei denen ich mich immer auf den neuesten Band freue. Unter anderem die Bücher von Martin Walker um den französischen Land-Polizisten Bruno Courreges, die Bücher von Stuart MacBride um DS Logan McRae und die bundesweit leider noch nicht so bekannten Krimis von Wolfgang Burger um seinen Heidelberger Kommissar Alexander Gerlach. Ein etwas neuere Entdeckung ist für mich Jean-Luc Bannalec der über seinen Commissaire Dupin schreibt.

Den ersten Band habe ich über meine Mutter im letzten Jahr entdeckt und habe den zweiten sofort ebenfalls gehört. Das führte dazu, dass meine Freundin und ich im letzten Herbst in die Bretagne gefahren sind. Wenn man den Berichten glauben darf, dann ist das fast schon die normale Reaktion auf die Lektüre dieser Bücher. Nun folgte also der dritte Band.

Wer es noch nicht weiß, der Autor ist Deutscher und schreibt unter einem Pseudonym. Seine wahre Identität kennt angeblich nur der Verlag und es wird ein großes Geheimnis daraus gemacht. Witzig daran ist eigentlich nur der Fakt, dass die Bücher wegen dieser Umstände in Frankreich (noch) wenig bis gar nicht bekannt sind. Im real existierenden „L’Amiral“ in Concarneau (dem Lieblingsrestaurant von Dupin) hängen folglich die Cover der deutschen Ausgabe im Fenster um den Fans anzuzeigen dass sie richtig sind. Und in Gesprächen mit Einheimischen habe ich erfahren dass mancher sich schon gewundert hat wieso auf einmal so viel mehr deutsche Touristen in ihr Städtchen kommen.

Aber nun zum Inhalt. Commissaire Dupin verschlägt es im dritten Band in die Guérande, einen Landstrich der, wie wir im Buch erfahren, schockierenderweise zum Département Loire-Atlantique und nicht zur Bretagne gehört. Obwohl die Guérande historisch natürlich schon immer zur Bretagne gehört hatte. Dieser Schönheitsfehler hat zur Folge, dass Dupin für die Vorfälle in die er dort verwickelt wird gar nicht zuständig ist und sich mit einer dortigen Kommissarin arrangieren muss. Eine Situation die frischen Wind in die bereits lieb gewonnenen Routinen der ersten beiden Bände bringt. Die Guérande ist seit Jahrhunderten bekannt für ihre Salzfelder und genau dorthin schickt eine befreundete Journalistin Dupin. Unvermittelt wird er dort beschossen und die Journalistin verschwindet. Schon ist Dupin mitten in einem neuen Fall. Den freilich nicht er selber leitet. Und das gefällt dem Einzelgänger gar nicht.

„Bretonisches Gold“ ist solide Krimikost. Aber wie so oft ist bei solchen Serien der eigentliche Fall nicht immer das Wichtigste. Ich freue mich einfach den eigenwilligen Dupin, seine unersetzliche Assistentin Nolwenn und die Inspektoren Kadeg und Riwal wieder zu sehen. Die Beschreibung der Bretagne ist einfach nur verführerisch und die Belehrungen von Nolwenn finde ich spannend und höre sie immer wieder gerne. Die Eigenheiten der Menschen werden wunderbar beschrieben und auch Dupin selber ist ja eher eigenwillig. Alles in allem machen mir also der Ton und die Umgebung genau so viel Spaß wie die eigentliche Handlung. Etwas dass eine gute Krimi-Serie für mich immer gewährleisten muss, dann kommt man auch gut über schwächere Fälle hinweg. Im vorliegenden Fall bringen Randgeschichten über Breizh Cola (die Bretonen trotzen dem Weltkonzern Coca Cola) und ein entflohenes Känguru reichlich Lokalkolorit hinein.

Gerd Wameling macht seine Sache als Sprecher nebenbei gesagt ganz hervorragend. Sowohl Männer- wie Frauenstimmen verleiht er einen eigenen Charakter und lässt sie so zum Leben erwachen. Und vor allem scheint er mir des französischen mächtig zu sein, was hier natürlich ein klarer Vorteil ist.
Apropos… An diesem Band ist mir wieder etwas aufgefallen was ich mir auch bei Donna Leon oder Martin Walker oft denke. Früher (also etwa in den 60er Jahren) wurde zwanghaft alles ins deutsche übersetzt. Heute scheint man bevorzugt viel stehen zu lassen. So kommt Dupin nicht von der „Polizei Concarneau“ sondern vom „Commissariat de Police Concarneau“. Bei Donna Leon hat auch niemand ein Handy sondern durchgängig ein „telefonino“. Ich mag das sehr. Es gibt einem mehr das Gefühl von Internationalität, man ist mehr in Frankreich oder respektive in Italien. Ich muss nur mal einen Übersetzer fragen wie man diese Art des „Stehenlassen“ nennt, wann man damit angefangen hat und ob es den Zweck hat den ich vermute.

Aber egal. Für Frankreich-Liebhaber oder Bretagne-Liebhaber (und dass beides längst nicht das selbe ist würde uns Nolwenn mit Feuereifer bestätigen) und solche die es werden wollen sind die Bücher ein Muss. Gute Unterhaltung, perfekt für den Urlaub, um Lust auf den Urlaub zu machen oder sich an ihn zu erinnern.

“Bretonisches Gold”, Autor: Jean-Luc Bannalec, Sprecher: Gerd Wameling, Der AudioVerlag, Ungekürzte Lesung, 602 Minuten