Fantasy auf gutem Niveau – „Das Geheimnis der großen Schwerter“

61w29QDzLvL._SL300_Der alte und weise König Johan, genannt „Der Priester“ stirbt und hinterlässt zwei Söhne. Den älteren Elias und den jüngeren Josua. Elias besteigt den Thron von Osten Ard und in kürzester Zeit beginnt das Reich, dass sein Vater geeint und über so lange Zeit mit Weisheit und Güte regiert hat zu zerfallen. Unheimliche Himmelphänomene tauchen auf, Plagen und Hungersnöte und Gerüchte über Spukgestalten aus alten Sagen die zum Leben erweckt worden sein sollen. Das Verhältnis der Brüder zueinander, dass immer gespannt war, wird immer schlechter bis es zum offenen Bruch kommt. In diese und viele andere unheimliche Begebenheiten gerät unfreiwillig der Küchenjunge Simon. Als Waisenkind auf der Burg des Königs aufgewachsen und von deinem Lehrmeister Doktor Morgenes ausgebildet flieht er schließlich vor dem Ratgeber des Königs, dem düsteren Priester Pryrates und ein episches Abenteuer beginnt. Ein Abenteuer in dessen Verlauf Reiche zerfallen, Kriege ausbrechen, mythische Völker auftauchen und das Geheimnis der großen Schwerter gelöst werden muss.

Eines vorweg, mir haben die Bücher wirklich Spaß gemacht. Ich war gefesselt und konnte vor allem am Ende nicht mehr ausschalten weil ich wissen wollte wie es ausgeht. Ich liebe epische Fantasy und die wird hier nun wirklich geboten.

Sicher hat die Geschichte einige Längen. Auf einige „Schlenker“ die der Autor macht hätte ich verzichten können (Skodi, die Entführung von Tiamak oder das ewige Herumirren in unterirdischen Gängen). Auch gingen mit zwischenzeitlich einige der Macken der Hauptfiguren etwas auf die Nerven. Aber am Ende war ich auch damit versöhnt. Die Motive von Pryrates und vor allem Elias bleiben lange im Dunkeln. Von Elias sind sie mit eigentlich gar nicht klar geworden und ob man mit der Auflösung der Geschichte um die Schwerter am Ende zufrieden ist muss jeder selber wissen. Ohne etwas zu verraten fand ich diesen Teilaspekt etwas platt. Aber auch das hat mein Vergnügen an diesen Büchern nicht merklich geschmälert.
Was mich wirklich begeistert hat ist die Welt die Tad Williams uns hier zeigt. Die Rimmersmänner, Nabbanai, Hernystiri, Sithi, die Bewohner der Thirthinge oder die Qanuc. Die ganze Geschichte von Osten Ard um frühere Könige wie Elvrit, Fingil und Eahlstan. Wie es sich für gute epische Fantasy gehört hat Tad Williams hier eine ganze Welt samt ihrer Geschichte, Mythen, Geheimnisse und Religionen erschaffen. Parallelen zu unserer Welt sind dabei vom Autor beabsichtigt. So hat die ädonitische Religion bis hin zu ihrem Oberhaupt und seinem Sitz klare Ähnlichkeiten mit dem Christentum. Und die Sithi kamen mir beim Lesen immer etwas vor wie die edlen Indianer aus Wildwestromanen. Insgesamt war es also Osten Ard selber dass mich neben der Hauptgeschichte fasziniert hat.
Dazu kommen fantastische Charaktere die wirklich lebendig werden. Mein persönlicher Liebling ist dabei der Qanuc Binabik. Aber auch Josua in seiner unfreiwilligen Führungsrolle und der Hernystiri Eolair gefielen mir gut.

Die Bücher erschienen im englischen Original (dort als „Memory, Sorrow, and Thorn“) zwischen 1988 und 1993. Sie sind also nicht taufrisch. So wirken sie auf mich auch an manchen Stellen etwas altbacken. Vor allem im Vergleich zu den Büchern von George R.R. Martin und Joe Abercrombie. Die „First Law“-Reihe von Abercrombie fand ich zwar insgesamt nicht besser als „Das Geheimnis der großen Schwerter“, aber er bringt dort definitiv ganz neuen Wind in ein manchmal etwas angestaubtes Genre. Und George R.R. Martin ist für mich sowieso der König des Genres. Seine Bücher der Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (inzwischen auch bekannt als „Game of Thrones“) sind der aktuelle Maßstab für epische Fantasy. Übrigens hat aber gerade dieser Autor Tad Williams und „Das Geheimnis der großen Schwerter“ mehrfach als Inspiration für seine eigenen Bücher genannt.

Vor wenigen Monaten hat Williams bekannt gegeben, dass er nach Osten Ard zurückkehren und eine Fortsetzung zu den vorliegenden Büchern schreiben wird. Man darf also gespannt sein.

Unbedingt zu erwähnen ist noch der Sprecher. Andreas Fröhlich liefert hier in meinen Augen eine Meisterleistung ab. Verschiedene Stimmen, Tonlagen, Dialekte und sonstige Kniffe lassen alle Charaktere lebendig und einzigartig werden.
Ich bin quasi mit seiner Stimme aufgewachsen, denn er spricht seit Kindertagen den „Bob Andrews“ in der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“. Hier zeigt er sein wahres Können und steigt damit für mich in meinen persönlichen Sprecher-Olymp auf in dem bisher einzige Christian Brückner und David Nathan wohnten. Jungs, ihr bekommt einen neuen Mitbewohner.

“Das Geheimnis der großen Schwerter” Band 1 – 4, Autor: Tad Williams, Sprecher: Andreas Fröhlich, der hörverlag, Ungekürzte Lesung, 8146 Minuten