Kurzbesprechungen 2015/01

Amy und Nick Dunne sind von der Finanzkrise gebeutelt, arbeitslos und ziehen von New York in seine Heimatstadt nach Missouri. Ihre kriselnde Beziehung unter anderem auch darunter, dass Amy als geborene New Yorkerin sich schwer tut im provinziellen Missouri zu leben. An ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy spurlos und schnell gerät Nick in den Verdacht hinter ihrem Verschwinden zu stecken…

Erzählt wird die Geschichte von Amy und Nick aus zwei Ich-Perspektiven. Von Nick erfahren wir den Fortgang der aktuellen Handlung zum Zeitpunkt des Verschwindens von Amy. Sie wiederum lernen wir aus Tagebucheinträgen kennen die etwa dann einsetzen als Sie Nick kennen lernt und dann immer näher an die aktuelle Handlungszeit heran kommt. Wem wir glauben, wen wir mögen, das macht uns die Autorin nicht einfach. Beide taugen nicht als „Held“ oder Identifikationsfigur. Viel mehr kann man über die Handlung kaum verraten ohne zu viel preiszugeben.

Ich mochte das Buch, es hat mich aber nicht mitgerissen. Am Ende ist man relativ fassungslos und fragt sich ob diese „Mann-Frau-Geschichte“ wirklich so eine gute Idee ist. Das Buch ist lohnenswert aber nicht der absolute Knaller.
Wirklich sehr gut machen das Hörbuch allerdings die beiden Schauspieler Matthias Koeberlin und Christiane Paul. Wirklich fantastisch. Vor allem Christiane Paul, die ich vorher als Interpretin eines Hörbuchs noch nicht kannte, fand ich großartig. Also wie so oft hat das Hörbuch für mich durch den Vortrag auf jeden Fall einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem gedruckten Buch.

“Gone Girl”, Autor: Gillian Flynn, Sprecher: Matthias Koeberlin und Christiane Paul, argon hörbuch, 1056 Minuten


mr-mercedes

In einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Kleinstadt in den USA stehen mitten in der Nacht Hunderte Arbeitsuchende Schlange für eine am nächsten Morgen stattfindende Jobbörse.eingefunden. Ohne Vorwarnung rast ein Mercedes mit voller Absicht in die wartende Menge und tötet und verletzt Dutzende Menschen.
Monate später ist der leitende Detective Bill Hodges pensioniert. Aber sein letzter Fall lässt ihn nicht los. Da flattert ihm ein anonymer Brief ins Haus und der Absender behauptet der Mercedes-Killer zu sein…

Stephen King schreibt schon lange nicht mehr „nur“ Horror-Romane. Dieses Buch ist eher ein klassischer Thriller und dabei doch ein „echter“ King. Schnell erfährt der Leser wer Mr. Mercedes ist und zwischen ihm und Bill Hodges entspinnt ein gefährlicher und spannender Zweikampf.
Ich fand das Buch wieder großartig. Es ist spannend, es beinhaltet viele der klassischen King-Motive. So kommt auch hier die Gefahr für unseren geregelten Alltag mitten aus dem „normalen“ und alltäglichen. Auch setzt er wieder sein bekanntes Stilmittel ein uns aus harmlosen Beschreibungen heraus unerwartet einen Blick in die schrecklichen nahenden Ereignisse zu gewähren („…ehe er wenige Minuten später seinen linken Arm verlieren sollte…“). Und wie auch schon so oft gibt es für die vielen Fans Querverweise und Anspielungen auf frühere King-Bücher und -Geschichten.

Wer also King mag und keinen Horror im Stil von „Friedhof der Kuscheltiere“ erwarte ist hier bestens bedient. Der Meister zeigt hier das er packende Thriller spielend drauf hat und auch damit wirklich überzeugen kann. An mein Lieblingsbuch der jüngeren King-Werke „Der Anschlag“ kommt „Mr. Mercedes“ aber nicht heran.
Das David Nathan großartig vorträgt ist selbstverständlich. Für mich ist er einfach ein Meister seines Fachs.

“Mr. Mercedes”, Autor: Stephen King, Sprecher: David Nathan, Random House Audio, 998 Minuten


Ein junger Mann ist tot. Niemand scheint ihn wirklich gekannt zu haben, niemanden wundert sein Tod und nur Paola Brunetti will mehr wissen über diesen behinderten jungen Mann, den sie vom Sehen aus ihrer Wäscherei kannte. Also muss ihr Mann Commissario Brunetti ermitteln…

Ich möchte gar nicht viel zu diesem Buch sagen. Seit Jahren denke ich jedes Jahr „das war jetzt der letzte Brunetti“. Aber dann werde ich doch rückfällig. Mal sehen ob ich meine Lektion jetzt gelernt habe. Dieses Buch ist kein Krimi. Donna Leon schriebt eigentlich schon lange keine Krimis mehr sondern Sozialstudien. Als solche sind ihre Bücher vielleicht ganz gut. Mein Fall sind sie nicht mehr wirklich.
Den Rest hat mir der Interpret gegeben. Ich kannte Joachim Schönfeld vorher nicht und habe nicht das Verlangen noch ein Buch von ihm zu hören. Uninspiriert und einschläfernd. Mehr fällt mir zu seinem Vortrag nicht ein. Eine Jammer für eine Reihe in der schon Sprecher wie Christoph Lindert, Jochen Striebeck oder Achim Höppner gelesen haben.

“Das goldene Ei”, Autor: Donna Leon, Sprecher: Joachim Schönfeld, Diogenes, 536 Minuten


John Grisham habe ich gelesen als er mit „Die Firma“ noch eine Art Entdeckung und Newcomer war. Nach ein paar Büchern habe ich dann das Interesse verloren. Jetzt, ca. 20 Jahre später habe ich mit „Das Komplott“ und „Die Erbin“ mal wieder zwei Grisham zur Hand genommen und was soll ich sagen? Er kann es durchaus noch. Sehr unterhaltsam.
Es hat sich aber dennoch einiges verändert. Wo früher die Anwälte Helden waren und für das Gute kämpften ist hier alles nicht mehr nur schwarz und weiß. Unser Held sitzt im Gefängnis, Politiker und Justiz sind korrupt und überhaupt ist das Land seit damals bei John Grisham ziemlich den Bach runter gegangen. Aber insgesamt tut das seinen früher etwas klinisch-reinen Büchern durchaus gut. Über die Geschichte will ich nicht viel verraten. Es ist eine nette Räubergeschichte die sich sicher sofort gut verfilmen ließe. Nett, aber auch nicht mehr.
Charles Brauer als Leser macht das ebenfalls sehr routiniert und gut aber auch nicht überragend.

“Das Komplott”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 868 Minuten


„Die Erbin“ hat mich dann schon deutlich mehr begeistert. John Grisham kehrt hier zurück zum Setting seines Buches „Die Jury“, dass schon damals sein eindeutig bestes war. Die Handlung setzt drei Jahre nach dem Prozess gegen Carl Lee Hailey ein und wieder ist Jake Brigance unser Held. Der schwer kranke Unternehmer Seth Hubbard nimmt sich das Leben und hinterlässt in einem von zwei Testamenten sein ganzes Vermögen seiner schwarzen Haushälterin. Sofort kocht die Gerüchteküche, die entfremdeten Verwandten sind entsetzt und fechten das Testament an und mitten drin steckt Jake Brigance als von Hubbard per letztem Willen eingesetzter Testamentsvollstrecker.
Das Buch ist kein Thriller. Es geht tatsächlich um den Nachlass des verstorbenen Millionärs und die Hintergründe der Familien der Beteiligten. Ja, das Buch ist etwas lang geraten. Aber Grisham zeigt hier alles was schon „Die Jury“ besser gemacht hat als seine späteren Bücher. Es geht auch um Dinge die die USA nicht gerne beleuchten. Blanken Rassenhass, Vorurteile, frühere Lynchjustiz usw. Das hat mich gepackt und bis zum Schluss interessiert. Sollte Jake Brigance mal wieder zurück kommen, ich wäre wieder dabei.

“Die Erbin”, Autor: John Grisham, Sprecher: Charles Brauer, Random House Audio, 1463 Minuten

Routiniert gut – „Reiner Wein“

Dies ist der sechste Band der Krimis um den „Dorfpolizisten“ Bruno Courrèges und das (fiktive) Örtchen Saint-Denis. Wie schon bei „Bretonisches Gold“ erwähnt ist es bei Krimi-Serien immer wieder schön in das gewohnte Setting zurück zu kehren. Und so ist es auch hier. Man trifft die alle wieder: Bruno, Jean-Jacques, Pamela, den Bürgermeister, Fabiola usw.

Die Handlung zusammen zu fassen fällt hier nicht ganz leicht. Es geht unter anderem um ein paar Einbrüche, eine Schlägerei die zehn Jahre zurück liegt, einen Überfall auf einen Zug den die Résistance ausgeführt hat und natürlich auch um einen Mord. Dabei folgt Walker weiter seinem Rezept, dass die Fälle im beschaulichen Saint-Denis immer irgendwie mit der großen Politik und/oder der Geschichte zu tun haben. Mir gefällt das, allerdings ist es in diesem speziellen Fall so, dass die Verbindung am Ende sehr sang- und klanglos im Nichts verschwindet. Schade, denn speziell zu diesem Thema hätte ich gerne noch viel mehr erfahren.

Ansonsten ist alles wie immer. Bruno steht zwischen mindestens zwei Frauen. Er reitet und erzieht seinen jungen Hund Gigi und er kocht gerne und viel, was ausführlich Erwähnung findet. Und natürlich hat für jede Spezialität des Perigord irgendeine erstklassige Bezugsquelle.

Was mir schon bei „Bretonisches Gold“ so aufgefallen ist, ist hier noch viel stärker ausgeprägt. Wo es geht werden französische Begriffe stehen gelassen. Vor allem wenn es mit Lebensmitteln zu tun hat. Da ist vom „petit blanc“ die Rede oder vom „petit apéro“. Jenseits kulinarischer Themen dann von der „zone industriel“ oder dem „croix de guerre“. Für alle begriffe gäbe es auch deutsche Entsprechungen. Aber die französischen Begriffe sorgen natürlich für einen gewissen Charme und den Klang von Urlaub. Es hilft jedoch, wenn man ein wenig des Französischen mächtig ist um allem folgen zu können.

Eine besondere Eigenart oder Marotte des Autors ist mir in diesem band besonders aufgefallen. Viele Personen kommen durchgängig nur mit ihren Vornamen vor. Da wird immer wieder von Jean-Jacques, Florence, Isabelle, Fabiola oder Gilles die Rede. Man muss manchmal schon aufpassen um noch zu wissen vom wem die Rede ist. Ich weiß nicht ob der Autor damit die Dörflichkeit des Handlungsortes unterstreichen will oder was er sonst damit bezweckt. Meinen Erfahrungen in Frankreich nach spricht man sich dort nicht immer und ausschließlich mit Vornamen an. Und auch für die Verständlichkeit der Geschichte könnte er das aus meiner Sicht etwas einschränken.

Aber das sind Kleinigkeiten und alles in allem hatte ich wieder Spaß mit Bruno und dem aktuellen Fall aus Saint-Denis. Auch wenn dieser sicher nicht der stärkste der bisherigen Reihe war werde ich beim nächsten Band bestimmt wieder zuhören. Zumal, wenn Johannes Steck liest. Denn dem höre ich ausgesprochen gerne zu.

“Reiner Wein”, Autor: Martin Walker, Sprecher: Johannes Steck, Diogenes, Ungekürzte Lesung, 608 Minuten

Man fühlt sich sofort wieder wie daheim – „Bretonisches Gold“

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Serien sind beliebt. Im Fernsehen, aber vor allem auch bei Büchern im Krimi-Genre. Schon im 19. Jahrhundert gab es den heute wieder so populären Sherlock Holmes, geschrieben von Sir Arthur Conan Doyle. In den folgenden Jahrzehnten dann unter anderem die Ermittler von Dorothy L. Sayers, Raymond Chandler oder Agatha Christie. Und auch heute haben Krimi-Serien oder Krimi-Reihen nichts von ihrer Beliebtheit verloren.
Ich selber mag es sehr, wenn ich in ein gewohntes Setting und zu den lieb gewonnenen Figuren zurück kehren kann. Ich verfolge mehrere Serien bei denen ich mich immer auf den neuesten Band freue. Unter anderem die Bücher von Martin Walker um den französischen Land-Polizisten Bruno Courreges, die Bücher von Stuart MacBride um DS Logan McRae und die bundesweit leider noch nicht so bekannten Krimis von Wolfgang Burger um seinen Heidelberger Kommissar Alexander Gerlach. Ein etwas neuere Entdeckung ist für mich Jean-Luc Bannalec der über seinen Commissaire Dupin schreibt.

Den ersten Band habe ich über meine Mutter im letzten Jahr entdeckt und habe den zweiten sofort ebenfalls gehört. Das führte dazu, dass meine Freundin und ich im letzten Herbst in die Bretagne gefahren sind. Wenn man den Berichten glauben darf, dann ist das fast schon die normale Reaktion auf die Lektüre dieser Bücher. Nun folgte also der dritte Band.

Wer es noch nicht weiß, der Autor ist Deutscher und schreibt unter einem Pseudonym. Seine wahre Identität kennt angeblich nur der Verlag und es wird ein großes Geheimnis daraus gemacht. Witzig daran ist eigentlich nur der Fakt, dass die Bücher wegen dieser Umstände in Frankreich (noch) wenig bis gar nicht bekannt sind. Im real existierenden „L’Amiral“ in Concarneau (dem Lieblingsrestaurant von Dupin) hängen folglich die Cover der deutschen Ausgabe im Fenster um den Fans anzuzeigen dass sie richtig sind. Und in Gesprächen mit Einheimischen habe ich erfahren dass mancher sich schon gewundert hat wieso auf einmal so viel mehr deutsche Touristen in ihr Städtchen kommen.

Aber nun zum Inhalt. Commissaire Dupin verschlägt es im dritten Band in die Guérande, einen Landstrich der, wie wir im Buch erfahren, schockierenderweise zum Département Loire-Atlantique und nicht zur Bretagne gehört. Obwohl die Guérande historisch natürlich schon immer zur Bretagne gehört hatte. Dieser Schönheitsfehler hat zur Folge, dass Dupin für die Vorfälle in die er dort verwickelt wird gar nicht zuständig ist und sich mit einer dortigen Kommissarin arrangieren muss. Eine Situation die frischen Wind in die bereits lieb gewonnenen Routinen der ersten beiden Bände bringt. Die Guérande ist seit Jahrhunderten bekannt für ihre Salzfelder und genau dorthin schickt eine befreundete Journalistin Dupin. Unvermittelt wird er dort beschossen und die Journalistin verschwindet. Schon ist Dupin mitten in einem neuen Fall. Den freilich nicht er selber leitet. Und das gefällt dem Einzelgänger gar nicht.

„Bretonisches Gold“ ist solide Krimikost. Aber wie so oft ist bei solchen Serien der eigentliche Fall nicht immer das Wichtigste. Ich freue mich einfach den eigenwilligen Dupin, seine unersetzliche Assistentin Nolwenn und die Inspektoren Kadeg und Riwal wieder zu sehen. Die Beschreibung der Bretagne ist einfach nur verführerisch und die Belehrungen von Nolwenn finde ich spannend und höre sie immer wieder gerne. Die Eigenheiten der Menschen werden wunderbar beschrieben und auch Dupin selber ist ja eher eigenwillig. Alles in allem machen mir also der Ton und die Umgebung genau so viel Spaß wie die eigentliche Handlung. Etwas dass eine gute Krimi-Serie für mich immer gewährleisten muss, dann kommt man auch gut über schwächere Fälle hinweg. Im vorliegenden Fall bringen Randgeschichten über Breizh Cola (die Bretonen trotzen dem Weltkonzern Coca Cola) und ein entflohenes Känguru reichlich Lokalkolorit hinein.

Gerd Wameling macht seine Sache als Sprecher nebenbei gesagt ganz hervorragend. Sowohl Männer- wie Frauenstimmen verleiht er einen eigenen Charakter und lässt sie so zum Leben erwachen. Und vor allem scheint er mir des französischen mächtig zu sein, was hier natürlich ein klarer Vorteil ist.
Apropos… An diesem Band ist mir wieder etwas aufgefallen was ich mir auch bei Donna Leon oder Martin Walker oft denke. Früher (also etwa in den 60er Jahren) wurde zwanghaft alles ins deutsche übersetzt. Heute scheint man bevorzugt viel stehen zu lassen. So kommt Dupin nicht von der „Polizei Concarneau“ sondern vom „Commissariat de Police Concarneau“. Bei Donna Leon hat auch niemand ein Handy sondern durchgängig ein „telefonino“. Ich mag das sehr. Es gibt einem mehr das Gefühl von Internationalität, man ist mehr in Frankreich oder respektive in Italien. Ich muss nur mal einen Übersetzer fragen wie man diese Art des „Stehenlassen“ nennt, wann man damit angefangen hat und ob es den Zweck hat den ich vermute.

Aber egal. Für Frankreich-Liebhaber oder Bretagne-Liebhaber (und dass beides längst nicht das selbe ist würde uns Nolwenn mit Feuereifer bestätigen) und solche die es werden wollen sind die Bücher ein Muss. Gute Unterhaltung, perfekt für den Urlaub, um Lust auf den Urlaub zu machen oder sich an ihn zu erinnern.

“Bretonisches Gold”, Autor: Jean-Luc Bannalec, Sprecher: Gerd Wameling, Der AudioVerlag, Ungekürzte Lesung, 602 Minuten

Fantasy auf gutem Niveau – „Das Geheimnis der großen Schwerter“

61w29QDzLvL._SL300_Der alte und weise König Johan, genannt „Der Priester“ stirbt und hinterlässt zwei Söhne. Den älteren Elias und den jüngeren Josua. Elias besteigt den Thron von Osten Ard und in kürzester Zeit beginnt das Reich, dass sein Vater geeint und über so lange Zeit mit Weisheit und Güte regiert hat zu zerfallen. Unheimliche Himmelphänomene tauchen auf, Plagen und Hungersnöte und Gerüchte über Spukgestalten aus alten Sagen die zum Leben erweckt worden sein sollen. Das Verhältnis der Brüder zueinander, dass immer gespannt war, wird immer schlechter bis es zum offenen Bruch kommt. In diese und viele andere unheimliche Begebenheiten gerät unfreiwillig der Küchenjunge Simon. Als Waisenkind auf der Burg des Königs aufgewachsen und von deinem Lehrmeister Doktor Morgenes ausgebildet flieht er schließlich vor dem Ratgeber des Königs, dem düsteren Priester Pryrates und ein episches Abenteuer beginnt. Ein Abenteuer in dessen Verlauf Reiche zerfallen, Kriege ausbrechen, mythische Völker auftauchen und das Geheimnis der großen Schwerter gelöst werden muss.

Eines vorweg, mir haben die Bücher wirklich Spaß gemacht. Ich war gefesselt und konnte vor allem am Ende nicht mehr ausschalten weil ich wissen wollte wie es ausgeht. Ich liebe epische Fantasy und die wird hier nun wirklich geboten.

Sicher hat die Geschichte einige Längen. Auf einige „Schlenker“ die der Autor macht hätte ich verzichten können (Skodi, die Entführung von Tiamak oder das ewige Herumirren in unterirdischen Gängen). Auch gingen mit zwischenzeitlich einige der Macken der Hauptfiguren etwas auf die Nerven. Aber am Ende war ich auch damit versöhnt. Die Motive von Pryrates und vor allem Elias bleiben lange im Dunkeln. Von Elias sind sie mit eigentlich gar nicht klar geworden und ob man mit der Auflösung der Geschichte um die Schwerter am Ende zufrieden ist muss jeder selber wissen. Ohne etwas zu verraten fand ich diesen Teilaspekt etwas platt. Aber auch das hat mein Vergnügen an diesen Büchern nicht merklich geschmälert.
Was mich wirklich begeistert hat ist die Welt die Tad Williams uns hier zeigt. Die Rimmersmänner, Nabbanai, Hernystiri, Sithi, die Bewohner der Thirthinge oder die Qanuc. Die ganze Geschichte von Osten Ard um frühere Könige wie Elvrit, Fingil und Eahlstan. Wie es sich für gute epische Fantasy gehört hat Tad Williams hier eine ganze Welt samt ihrer Geschichte, Mythen, Geheimnisse und Religionen erschaffen. Parallelen zu unserer Welt sind dabei vom Autor beabsichtigt. So hat die ädonitische Religion bis hin zu ihrem Oberhaupt und seinem Sitz klare Ähnlichkeiten mit dem Christentum. Und die Sithi kamen mir beim Lesen immer etwas vor wie die edlen Indianer aus Wildwestromanen. Insgesamt war es also Osten Ard selber dass mich neben der Hauptgeschichte fasziniert hat.
Dazu kommen fantastische Charaktere die wirklich lebendig werden. Mein persönlicher Liebling ist dabei der Qanuc Binabik. Aber auch Josua in seiner unfreiwilligen Führungsrolle und der Hernystiri Eolair gefielen mir gut.

Die Bücher erschienen im englischen Original (dort als „Memory, Sorrow, and Thorn“) zwischen 1988 und 1993. Sie sind also nicht taufrisch. So wirken sie auf mich auch an manchen Stellen etwas altbacken. Vor allem im Vergleich zu den Büchern von George R.R. Martin und Joe Abercrombie. Die „First Law“-Reihe von Abercrombie fand ich zwar insgesamt nicht besser als „Das Geheimnis der großen Schwerter“, aber er bringt dort definitiv ganz neuen Wind in ein manchmal etwas angestaubtes Genre. Und George R.R. Martin ist für mich sowieso der König des Genres. Seine Bücher der Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (inzwischen auch bekannt als „Game of Thrones“) sind der aktuelle Maßstab für epische Fantasy. Übrigens hat aber gerade dieser Autor Tad Williams und „Das Geheimnis der großen Schwerter“ mehrfach als Inspiration für seine eigenen Bücher genannt.

Vor wenigen Monaten hat Williams bekannt gegeben, dass er nach Osten Ard zurückkehren und eine Fortsetzung zu den vorliegenden Büchern schreiben wird. Man darf also gespannt sein.

Unbedingt zu erwähnen ist noch der Sprecher. Andreas Fröhlich liefert hier in meinen Augen eine Meisterleistung ab. Verschiedene Stimmen, Tonlagen, Dialekte und sonstige Kniffe lassen alle Charaktere lebendig und einzigartig werden.
Ich bin quasi mit seiner Stimme aufgewachsen, denn er spricht seit Kindertagen den „Bob Andrews“ in der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“. Hier zeigt er sein wahres Können und steigt damit für mich in meinen persönlichen Sprecher-Olymp auf in dem bisher einzige Christian Brückner und David Nathan wohnten. Jungs, ihr bekommt einen neuen Mitbewohner.

“Das Geheimnis der großen Schwerter” Band 1 – 4, Autor: Tad Williams, Sprecher: Andreas Fröhlich, der hörverlag, Ungekürzte Lesung, 8146 Minuten

Tolle Unterhaltung – „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“

51npm88ubaL._SS500_Ich mache es mir sonst nicht ganz so einfach, aber dieser Klappentext des Verlages fasst die Ausgangssituation einfach zu gut zusammen. Daher hier einfach mal als Zitat: „Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln…“

Wie ich auf dieses Buch gestoßen bin weiß ich gar nicht mehr. Irgendwann lief es mir über den Weg und ich war interessiert und habe es auf meine Merkliste gesetzt. Für mehr hat es nicht gereicht. Dort auf der Liste lag es dann eine Weile. Irgendwann, als ich „Koma“ von Jo Nesbø fertig hatte, war ich auf der Suche nach dem nächsten Buch. Also fing ich ohne viel Erwartungen mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ an. Und was soll ich sagen? Das Buch hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Auf der einen Seite ist es ein Krimi. Ein ziemlich kniffliger Krimi. Die Handlung nimmt so viele Wendungen dass es einem schwindlig werden kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Satire auf den Buchbetrieb und das Schreiben an sich. Beide Ebenen haben für mich prima funktioniert. Das wichtigste aber ist: das Buch ist verdammt gute Unterhaltung. Man möchte es irgendwann einfach nicht mehr aus der Hand legen und man möchte vor allem wissen was es denn nun auf sich hat mit dieser ganzen Geschichte.

Besonders gefallen hat mir das Kleinstadt-Feeling, dass ein wenig an Twin Peaks erinnert. Und natürlich auch die fantastischen Nebenfiguren. Natürlich Nola, über die man im Rückblick viel erfährt, aber auch so schillernde Figuren wie ein entstellter Chauffeur, eine ehrgeizige Diner-Betreiberin oder ein manchmal undurchsichtiger Polizeichef. Wirklich klasse.

Eines hat mich tatsächlich etwas genervt, Nola spricht Harry Quebert beständig mit „Sie“ an. Das wirkt merkwürdig und hölzern. Das mag aber auch an der Übersetzung liegen. Keine Ahnung.
Auch mag man dem Buch vorwerfen, dass es die eine oder andere Wendung zu viel nimmt. Am Ende war ich auch an einem Punkt an dem ich dachte „Noch eine?“. Manches was wohl als großer Clou geplant war ist für den versierten Krimileser leicht zu durchschauen. Auf anderes wäre ich im Leben nicht gekommen. Aber egal ob er vielleicht etwas übertreibt, egal ob manches etwas an den Haaren herbei gezogen ist. Ich bleibe bei meiner Aussage: das Buch ist verdammt gute Unterhaltung. Ich hatte einen unglaublichen Spaß beim hören und war immer neugierig wie es weiter geht. Von mir also eine absolute Empfehlung. Gerade für den Sommerurlaub kann man hier eigentlich nichts falsch machen.