Leider schwächer – „Provokateure“

Ich bin ja Liebhaber von Krimi-Reihen und die ersten Bände dieser Reihe mochte ich gerne. Das ländliche Frankreich mit seinen sympathischen und zeitweise skurrilen Figuren. Ein wenig Urlaubssehnsucht, ein wenig Krimi-Spannung und auch immer etwas politischer Bezug. Aber was ist mit diesem Band? Irgendwie ist alles etwas aus den Fugen geraten.

Daher ist es auch schwer die Handlung zusammen zu fassen. Denn sie bleibt das ganze Buch über irgendwie Stückwerk. Da ist einmal ein muslimischer Junge der in Saint-Denis, dem fiktiven Ort der Handlung aller Bruno-Bücher, aufgewachsen ist. Er taucht in Afghanistan wieder auf und soll nach Hause geholt werde. Dann geht es um das Vermächtnis eines reichen jüdischen Arztes der in seinem Nachlass dem Städtchen ein Vermögen in Aussicht stellt. Und es geht um ein Geheimnis in der Vergangenheit der Ärztin Fabiola. Nebenbei lernt Bruno natürlich auch wieder eine Frau kennen.

Spannung entsteht leider zu keiner Zeit in diesem Band. Und auch die Handlungsstränge haben nur sehr bedingt etwas miteinander zu tun. Es wirkt alles sehr konstruiert und zusammen gestückelt. Außerdem stört mich dieses Mal der politische Bezug. Wenn in früheren Bänden die Résistance oder der Algerien-Krieg beleuchtet wurde, dann waren das historische Hintergründe für aktuelle Verbrechen. Das fand ich spannend. Aber wenn ich einen Bruno-Band lese, dann möchte ich nicht die ganze Last des Islamismus-Problems aufgeladen bekommen. Wenn ich das möchte, dann lese ich andere Bücher. Noch dazu, wenn es so halbherzig passiert und so uninspiriert mit der Geschichte des jüdischen Vermächtnisses kombiniert wird. Das funktioniert für mich hinten und vorne nicht und ist schon ein richtiges Ärgernis. Ebenfalls ärgerlich ist, dass mindestens einer der drei Handlungsstränge nicht befriedigend aufgelöst wird. Es bleiben Enden in der Luft hängen.

Und natürlich lernt Bruno wieder eine neue Frau kennen. Die Frauengeschichten der Hauptfigur sind von Beginn der Reihe an eher merkwürdig. Weder sein Handeln noch das der Frauen ist für mich nachvollziehbar. Gefühlt hat er immer zwei Bettgeschichten parallel, damit aber nie ein Problem. Und auch die anderen Frauen die der Autor um ihn herum gruppiert scheinen immer auf den Sprung dazu, etwas mit Bruno anzufangen. Dabei wird das alles aber so merkwürdig steril erzählt, dass Leidenschaft zumindest beim Leser nie aufkommen will. Das störte mich weniger, als das Buch mich begeistert hat. Dieses Mal nervte es mich.

Der nächste Band liegt ja bereits vor. Aber meine Lust darauf ist gerade sehr gering. Eine Pause von Bruno wird uns beiden hoffentlich gut tun.

“Provokateure”, Autor: Martin Walker, Sprecher: Johannes Steck, Diogenes, Ungekürzte Lesung, 638 Minuten

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