Leider nur Durchschnitt – „Teufelsgold“

Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich. Ich mochte viele seiner früheren Bücher und höre sie immer mit Begeisterung. Ich mag auch Andreas Eschbach sehr gerne. Ich saß mal auf einer Veranstaltung neben ihm. Damals hatte ich leider noch keines seiner Bücher gelesen. Heute wünschte ich mir, ich hätte das Glück noch einmal und könnte mit ihm über seine Geschichten reden. Ich wollte das Buch also mögen. Aber so ganz ist es mir einfach nicht gelungen. Der richtige Funken wollte nicht überspringen.

Es geht um den jungen Hendrik Busske, der trotz guter Ehe und ordentlichem Job mit seinem Leben nicht zufrieden ist. Er stolpert in einem Antiquariat über ein altes Buch, dessen Geschichte ihn sofort in ihren Bann zieht und dass er in der Folge stiehlt um diese Geschichte zu Ende lesen zu können. Diese Geschichte verändert sein Leben. Er gründet eine eigene Firma, wird erfolgreich und auch ein wenig prominent. Dennoch bleibt er immer unzufrieden und es plagt ihn die Frage, ob er nicht noch mehr erreichen könnte, mehr Geld verdienen, teurere Autos fahren, schönere Frauen ins Bett bekommen könnte.
Die andere Ebene der Geschichte spielt im frühen Mittelalter. Der Alchemist John Scoro hat den Stein der Weisen gefunden und kann mit ihm Gold herstellen. Etwas, womit er die Begehrlichkeiten der Mächtigen auf sich zieht und etwas, was ihm daher bisher wenig Glück gebracht hat.

Die Figuren in diesem Buch warne mir fast alle ziemlich unsympathisch. Hendrik Busske ist Anfangs ein netter Kerl, nervte mich mit der Zeit aber immer mehr. Sein Bruder Adalbert nervte mich von Beginn an. Wirklich spannend fand ich eigentlich nur die Teile, die in der Vergangenheit spielten. Da versteht es Eschbach meisterlich, unserem Helden die die Wissens-Brocken einzeln und im Laufe der Zeit zu präsentieren. Wir als Hörer sind immer neugierig, wie es denn nun weiter geht und welches Puzzle-Teil uns als nächstes enthüllt wird. Die Geschichte um John Scoro, Mengedder und den Stein der Weisen ist spannend und macht Lust auf mehr.

Ich verstehe die Botschaft schon und warum Hendrik Busske so sein muss, damit diese Botschaft vermittelt werden kann. Aber die ewigen Beschreibungen wie er seine Firma aufbaut, was er für Vorträge hält und welche Affären er hat, haben sich einfach zu lange gezogen. Da hätte ich lieber mehr über Scoro und Mengedder erfahren. Auch die Wandlung von Busske und die Auflösung der ganze alchemistischen Geschichte waren mir zu platt.
Vielleicht kenne oder kannte ich auch zu viele Leute die immer Angst haben/hatten etwas zu verpassen. Leute die nie etwas genießen können, weil es ja woanders gerade noch toller sein könnte. Das konnte ich noch nie nachvollziehen.

Insgesamt war ich also leider wenig beeindruckt. Eine gute Botschaft, die aber platt rüber kommt. Ein tolles Setting aus dem ein Autor des Kalibers Eschbach mehr hätte machen können. Fast wünsche ich mir, dass Andreas Eschbach ein Prequel schreibt, in dem er den Mittelalter-Teil weiter ausbreitet.

Der Sprecher Matthias Koeberlin macht seine Sache wieder hervorragend. Er hat einfach dieses gewisse Etwas in der Stimme und verleiht den Figuren einen eigenen Charakter ohne dabei zu übertreiben. Wunderbar.

“Teufelsgold”, Autor: Andreas Eschbach, Sprecher: Matthias Koeberlin, Audible, Ungekürzte Lesung, 940 Minuten

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